



Rilke, Rainer Maria.
Lettres à une amie Vénitienne. Verona, Officina Bodoni
Verona, Officina Bodoni
25,5 x 17 cm. Mit 1 Radierung als Titelvignette von M. Vellani-Marchi. 86 Seiten. Orig.-Pergamentband mit Rückentitel. (In Orig.-Schuber). - Druck der Officina Bodoni in 420 nummerierten Exemplaren. Erste Ausgabe von 34 Briefen Rilkes an Mimi Romanelli, davon 32 in französisch und 2 in deutsch. - Lettres à une amie Vénitienne versammelt eine Folge persönlicher Briefe Rainer Maria Rilkes an seine venezianische Freundin Mimi Romanelli. In diesen Briefen, die überwiegend in französischer Sprache verfasst sind, entfaltet sich ein intimer, reflektierender Dialog, der weit über private Mitteilungen hinausgeht. Rilke nutzt die Briefform, um Gedanken über Kunst, Dichtung, Wahrnehmung und innere Entwicklung zu formulieren und zugleich seine eigene Existenz als Dichter zu befragen. Zentral ist die intensive Auseinandersetzung mit Venedig als geistigem und ästhetischem Erfahrungsraum. Die Stadt erscheint nicht nur als konkrete Kulisse, sondern als Symbol für Vergänglichkeit, Schönheit und das Spannungsverhältnis zwischen Sichtbarkeit und innerem Erleben. Rilke beschreibt Architektur, Licht, Wasser und Stimmungen, um daraus allgemeinere Einsichten über Kunst und Leben zu gewinnen. Dabei verbindet sich äußere Beobachtung stets mit innerer Bewegung. Gleichzeitig spiegeln die Briefe Rilkes Verständnis von Freundschaft als geistiger Nähe, die auf Offenheit, Vertrauen und gegenseitiger Inspiration beruht. Er ermutigt seine Adressatin zur inneren Sammlung und zur geduldigen Selbstbeobachtung und formuliert dabei Gedanken, die an seine poetologischen Überlegungen in anderen Prosawerken anschließen. Einsamkeit, schöpferische Disziplin und die Notwendigkeit des inneren Reifens gehören zu den wiederkehrenden Motiven. Insgesamt sind die Lettres à une amie Vénitienne ein leiser, konzentrierter Prosatext, der Rilkes poetisches Denken in persönlicher Form zugänglich macht. Das Werk verbindet Briefliteratur, Kunstbetrachtung und existenzielle Reflexion zu einem vielschichtigen Zeugnis seiner geistigen Haltung und seiner besonderen Fähigkeit, innere Erfahrungen sprachlich zu verdichten. - Tadelloses Exemplar. - Mardersteig 52.
