



Longus. Daphnis und Chloé.
Mit Steinzeichnungen von Otto Hettner.
München, Buchenau & Reichert (1923)
29 x 20 cm. 197 Seiten. Mit 93 Orig.-Lithographien von Otto Hettner. Geglätteter roter Orig.-Saffianband mit Rückentitel, reicher Rücken- u. Deckelvergoldung, Kopfgoldschnitt. (Einband Gerhard Prade). - 8. Phantasus-Druck und eines von 30 nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder. Nur dieser Ausgabe wurde eine Extrasuite der Orig.-Lithographien und einige Varianten, davon eine in Rötel und signiert, beigegeben. Sämtliche Orig.-Graphiken liegen unter Passepartout. Der Einband wurde von Gerhard Prade nach Angaben von Carl Sonntag jr. mit der Hand in Saffian gebunden. Das Impressum von Otto Hettner signiert. Der Übertragung liegt die von Friedrich Jacobs aus dem Jahre 1832 zu Grunde. Sie wurde mit dem griechischen Texte verglichen und frei überarbeitet. - Daphnis und Chloé ist ein antiker griechischer Liebesroman des Autors Longus, der die zarte Entstehung einer Liebe in einer idealisierten, arkadischen Hirtenwelt schildert. Die Handlung spielt auf der Insel Lesbos und erzählt von zwei Findelkindern, Daphnis und Chloé, die unabhängig voneinander von Hirten gefunden und aufgezogen werden. Beide wachsen in ländlicher Einfachheit auf, umgeben von Natur, Tieren und Jahreszeiten, ohne Wissen um ihre adelige Herkunft. Daphnis und Chloé begegnen einander als Jugendliche und entwickeln allmählich Gefühle füreinander, die sie zunächst nicht verstehen. Ihre Liebe entfaltet sich langsam, unschuldig und tastend, begleitet von Missverständnissen, Eifersucht, Trennungen und äußeren Gefahren wie Entführungen durch Piraten oder Rivalitäten mit anderen Verehrern. Erst nach zahlreichen Prüfungen werden ihre wahre Herkunft und ihre gesellschaftliche Stellung offenbart, wodurch einer legitimen Verbindung nichts mehr im Wege steht. Am Ende mündet die Erzählung in einer harmonischen Vereinigung, die Natur, Liebe und soziale Ordnung miteinander versöhnt. Der Reiz des Werkes liegt weniger in dramatischer Handlung als in der poetischen Schilderung der Natur, der Sinnlichkeit des Landlebens und der behutsamen Darstellung des Erwachens von Liebe und Begehren. Longus verbindet naive Unschuld mit feiner Erotik und schafft ein Idealbild arkadischer Lebensharmonie, das in der europäischen Literatur über Jahrhunderte hinweg wirksam blieb. Die Steinzeichnungen von Otto Hettner passen in besonderer Weise zu diesem Text. Hettner greift die ruhige, zeitlose Atmosphäre des Romans auf und übersetzt sie in eine klare, flächige Bildsprache. Seine Lithographien betonen die enge Verbindung der Figuren zur Landschaft: Körper, Tiere und Natur erscheinen in ausgewogener Harmonie, oft in stillen, kontemplativen Szenen. Anstelle erzählerischer Dramatik stehen Stimmung, Rhythmus und Anmut im Vordergrund. - Unser Exemplar trägt die Nummer 1 und ist tadellos erhalten. - Rodenberg 459. - Schauer, Bd. II,99.
