



Laotse
Taoteking (Das Buch vom Sinn und Leben)
München, Verlag Otto Wilhelm Barth ca. 1920
29 x 20 cm. 81 Seiten. Blauer, geglätteter Orig.-Lederband mit Rückentitel, reichster geometrischer Vergoldung auf Deckeln, Steh- u. Innenkantenvergoldung sowie Kopfgoldschnitt. In Orig.-Schuber. - Als Privatdruck in kleinster Auflage erschienen. Jede Seite mit einer großen in Rot gedruckten Eingangsinitiale versehen. - Tao Te King, das oft auch als „Das Buch vom Sinn und Leben“ übersetzt wird, gilt als das Hauptwerk des chinesischen Philosophen Laotse und gehört zu den grundlegenden Schriften des Daoismus. Das Werk besteht aus kurzen, poetischen und oft rätselhaften Kapiteln, die keine zusammenhängende Handlung erzählen, sondern philosophische Gedanken über den Menschen, die Natur und die richtige Lebensführung vermitteln. Im Mittelpunkt steht das Tao (Dao), das als der ursprüngliche Weg oder das grundlegende Prinzip des Universums beschrieben wird. Das Tao ist unsichtbar, unfassbar und mit Worten nicht vollständig zu erklären. Es ist die Quelle allen Seins und wirkt in allem, was existiert. Der Mensch soll lernen, im Einklang mit diesem natürlichen Prinzip zu leben, anstatt gegen den Lauf der Natur anzukämpfen. Ein zentrales Anliegen des Werkes ist die Vorstellung des „Nicht-Handelns“ (Wu Wei). Damit ist nicht Untätigkeit gemeint, sondern ein Handeln ohne Zwang und Gewalt, das sich den natürlichen Gegebenheiten anpasst. Wer dem Tao folgt, handelt bescheiden, zurückhaltend und ohne eigennützige Absichten. Dadurch können Konflikte vermieden und Harmonie geschaffen werden. Laotse betont, dass wahre Stärke oft in Sanftmut, Geduld und Nachgiebigkeit liegt. Wie Wasser, das weich erscheint und dennoch Felsen formen kann, soll der Mensch flexibel und anpassungsfähig sein. Das Werk enthält außerdem zahlreiche Gedanken zur Politik und Herrschaft. Ein guter Herrscher greift möglichst wenig in das Leben seiner Untertanen ein und regiert nicht durch Zwang oder Strafen, sondern durch Vorbild und Weisheit. Je mehr Gesetze und Verbote es gibt, desto größer werden nach Laotse oft Unordnung und Unzufriedenheit. Das ideale Gemeinwesen zeichnet sich durch Einfachheit, Frieden und Bescheidenheit aus. Darüber hinaus kritisiert das Tao Te King übermäßigen Ehrgeiz, Machtstreben, Reichtum und Wissensstolz. Menschen, die ständig nach Besitz, Ruhm oder Erfolg streben, entfernen sich vom natürlichen Weg und geraten in innere Unruhe. Stattdessen empfiehlt Laotse ein einfaches Leben, das von Gelassenheit, Selbstgenügsamkeit und innerem Gleichgewicht geprägt ist. Insgesamt vermittelt das Tao Te King die Vorstellung, dass der Mensch sein Glück nicht durch Kontrolle, Leistung oder Macht erreicht, sondern durch die bewusste Rückkehr zur Einfachheit und durch das Leben im Einklang mit der natürlichen Ordnung der Welt. Das Werk lädt dazu ein, die Grenzen menschlichen Wissens anzuerkennen, Gegensätze wie Stärke und Schwäche oder Sein und Nichtsein als zusammengehörig zu verstehen und in einer Haltung der Ruhe und Bescheidenheit zu einem erfüllten Leben zu gelangen.
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Laotse (auch Laozi oder Lao-tse geschrieben) gilt als der traditionelle Verfasser des Tao Te King und als eine der bedeutendsten Gestalten der chinesischen Philosophie. Nach der Überlieferung lebte er im 6. Jahrhundert v. Chr. während der Zeit der östlichen Zhou-Dynastie in China. Historisch ist seine Existenz jedoch nicht eindeutig belegt; viele Forscher gehen davon aus, dass die Figur Laotse teilweise legendären Charakter besitzt und das Tao Te King möglicherweise von mehreren Autoren über einen längeren Zeitraum zusammengestellt wurde. Der Name „Laotse“ bedeutet etwa „Alter Meister“ oder „Alter Weiser“. Der Legende nach war er Archivar am kaiserlichen Hof. Als er den moralischen Verfall seiner Zeit erkannte, verließ er das Reich. An einem Grenzpass bat ihn ein Wächter, sein Wissen niederzuschreiben, bevor er weiterzog. Daraufhin verfasste Laotse das Tao Te King, ein Werk von 81 kurzen Kapiteln. Anschließend verschwand er der Überlieferung zufolge in den westlichen Regionen, und sein weiteres Schicksal blieb unbekannt. Die Lehre Laotses bildet die Grundlage des Daoismus. Im Mittelpunkt steht das „Dao“ (Tao), der universelle Weg oder das Grundprinzip des Kosmos. Nach Laotse sollte der Mensch nicht versuchen, die Welt mit Gewalt oder übermäßigem Ehrgeiz zu beherrschen, sondern im Einklang mit den natürlichen Abläufen leben. Bescheidenheit, Gelassenheit, Einfachheit und das Prinzip des „Wu Wei“ (Handeln ohne Zwang) gehören zu den zentralen Gedanken seiner Philosophie. Laotses Ideen haben die chinesische Kultur über Jahrtausende hinweg geprägt und beeinflussten Philosophie, Religion, Politik, Kunst und Literatur weit über China hinaus. Gemeinsam mit Konfuzius zählt er zu den einflussreichsten Denkern der chinesischen Geistesgeschichte. Die Wiedergabe des chinesischen Textes erfolgte durch Walter Jerven. - Tadellos erhalten in einem unikalen Einband.
