



Kubin. - Schmitz, O. A. H.
Herr von Pepinster und sein Popanz. Geschichten vom Doppelleben mit vierzehn Zeichnungen von Alfred Kubin.
München, Georg Müller 1918.
26 x 20 cm. 270 Seiten. Grüner Orig.-Maroquinband mit hellbrauner Maroquineinlage, Bogen- u. Linienvergoldung, Innenkantenvergoldung u. Kopfgoldschnitt. In Orig.-Schuber. (Signiert W. Gerlach-Berlin). - Exemplar in einem signierten Meistereinband von Walter Gerlach, einem Schüler von Paul Kersten. Eines von 125 Exemplaren auf Bütten mit 14 Illustration von Alfred Kubin. - Herr von Pepinster und sein Popanz von O. A. H. Schmitz ist eine Sammlung von Erzählungen, die sich thematisch um das Motiv des Doppelgängers, des inneren Zwiespalts und der gespaltenen Identität drehen. Im Zentrum steht die Figur des Herrn von Pepinster, ein äußerlich kultivierter, gesellschaftlich etablierter Mann, dessen Leben zunehmend von einer unheimlichen zweiten Existenz überschattet wird - dem „Popanz“. Dieser Popanz ist weniger eine reale Gestalt als vielmehr eine Projektion innerer Abgründe, verdrängter Triebe und psychischer Obsessionen. Die Geschichten entfalten sich als psychologisch-symbolische Studien, in denen Traum, Wahn und Wirklichkeit ineinander übergehen. Schmitz verbindet dabei Elemente der fantastischen Literatur mit einer feinen, oft ironisch gebrochenen Analyse der bürgerlichen Seele der Jahrhundertwende. Die Erzählungen kreisen um Selbstentfremdung, Schuld, Maskierung und die Fragilität des Ichs in einer scheinbar geordneten Welt. Die Illustrationen von Alfred Kubin sind integraler Bestandteil des Buches und weit mehr als bloße Begleitbilder. Kubin greift die psychologischen Spannungen des Textes auf und übersetzt sie in seine charakteristische Bildsprache: düstere, traumartige Szenen, verzerrte Figuren und eine Atmosphäre latenter Bedrohung. Seine Zeichnungen visualisieren das Unbewusste der Figuren, insbesondere die Erscheinung des „Popanz“, der bei Kubin oft als schemenhafte, albtraumhafte Gestalt erscheint. Dadurch verstärken die Illustrationen das Unheimliche und Irrationale der Erzählungen und führen den Leser tiefer in die innere Welt der Protagonisten hinein. Text und Bild stehen in einem engen Wechselverhältnis: Kubins Grafiken kommentieren nicht, sondern verdichten und intensivieren die literarischen Motive und machen das Buch zu einem exemplarischen Werk der expressionistisch geprägten Fantastik des frühen 20. Jahrhunderts. - Tadellos erhalten, in dieser Form Unikat. - Raabe 106. - Horodisch 121.
