



Corinth. - Goethe, J. W. v.
Reinecke Fuchs von Goethe. Illustriert von Lovis Corinth.
Berlin, Fritz Gurlitt 1921
39 x 29 cm. Signierte Titelseite sowie 14 farbige Orig.-Lithographien und 14 farbig lithographierte Textseiten von Lovis Corinth. Orig.-Halbpergamentband mit farbiger Deckellithographie. - Eines von 150 nummerierten Exemplaren auf Bütten. Die Titelseite vom Künstler signiert. Die bedeutendste Illustrationsfolge zu Goethes Reinecke Fuchs im 20. Jahrhundert. Sehr schönes Exemplar der seltenen Ausgabe. - Reineke Fuchs von Johann Wolfgang von Goethe ist ein satirisches Tierepos, das die menschliche Gesellschaft in Form einer Tierwelt darstellt. Die Ausgabe von 1921 wurde mit Illustrationen des Malers Lovis Corinth versehen, die die Figuren und ihre oft grotesken Eigenschaften besonders eindrucksvoll hervorheben. Im Mittelpunkt der Handlung steht der listige Fuchs Reineke, der durch Klugheit, Täuschung und sprachliches Geschick immer wieder seine Gegner überlistet und sich aus scheinbar aussichtslosen Situationen rettet. Die Geschichte beginnt am Hof des Löwenkönigs Nobel, der über die Tiere herrscht. Zahlreiche Tiere erscheinen vor dem König, um sich über Reineke Fuchs zu beklagen. Sie werfen ihm Betrug, Diebstahl, Lügen und sogar Mord vor. Besonders der Wolf Isegrim, einer von Reinekes größten Feinden, berichtet von vielen Demütigungen und Streichen, die er durch den Fuchs erlitten hat. Reineke wird deshalb mehrfach vor Gericht geladen, erscheint jedoch zunächst nicht und versucht stattdessen, durch Intrigen und geschickte Ausreden seine Haut zu retten. Als Reineke schließlich doch vor dem König erscheint, gelingt es ihm immer wieder, die Anklagen gegen ihn zu entkräften oder seine Gegner gegeneinander auszuspielen. Mit großer Redegewandtheit stellt er sich als Opfer von Neid und Verleumdung dar. Gleichzeitig nutzt er die Schwächen der anderen Tiere aus, besonders deren Gier, Dummheit oder Eitelkeit. Immer wieder schafft er es, Strafen zu entgehen und sogar Vorteile aus gefährlichen Situationen zu ziehen. Im weiteren Verlauf steigert sich die Handlung zu einer bissigen Satire auf Politik, Rechtsprechung und menschliche Moral. Goethe zeigt, dass Macht und Erfolg oft nicht den Ehrlichen oder Gerechten zufallen, sondern den Schlauen und Anpassungsfähigen. Reineke verkörpert dabei einen intelligenten Überlebenskünstler, der die Verderbtheit seiner Umwelt erkennt und für seine eigenen Zwecke nutzt. Obwohl seine Taten häufig unmoralisch sind, erscheint er vielen anderen Figuren geistig überlegen. Am Ende gelingt es Reineke erneut, den König zu täuschen und seine Feinde zu besiegen. Statt bestraft zu werden, steigt er sogar in der Gunst des Herrschers auf. Damit endet das Werk bewusst ironisch: Nicht Gerechtigkeit triumphiert, sondern List und Manipulation. Goethe nutzt die Tierfabel, um kritisch auf die menschliche Gesellschaft zu blicken und die Schwächen von Politik, Justiz und menschlichem Verhalten offenzulegen.
- Schwarz L 452, I-XXX.
