



Mann, Thomas
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil.
Berlin & Frankfurt, S. Fischer Verlag 1954
Erstausgabe. - 19,2 x 12,2 cm. 441 Seiten. Hellbrauner Orig.-Kalblederband mit Rückentitel und Kopfgoldschnitt. In Orig.-Schuber. - Erstausgabe der erweiterten Neufassung von 1937. Vom Autor signierte Vorzugsausgabe. Zum achtzigsten Geburtstag Thomas Manns am 6. Juni 1955 wurden 500 Exemplare von dieser Ausgabe in Kalbleder gebunden, nummeriert und vom Autor signiert. - Die Romanfigur Felix Krull aus Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil von Thomas Mann erzählt rückblickend seine eigene Lebensgeschichte und schildert dabei mit großer Eleganz und Ironie seinen Weg vom charmanten Außenseiter zum erfolgreichen Hochstapler. Der Roman ist als fiktive Autobiografie aufgebaut und zeigt Felix als äußerst intelligenten, attraktiven und sprachgewandten jungen Mann, der früh erkennt, wie leicht sich Menschen durch Auftreten, Höflichkeit und geschickte Täuschung beeinflussen lassen.
Felix wächst in einer wohlhabenden Familie auf, deren Sektfabrik jedoch wirtschaftlich zugrunde geht. Sein Vater begeht schließlich Selbstmord, wodurch die Familie ihren gesellschaftlichen Status verliert. Schon als Jugendlicher entwickelt Felix die Fähigkeit, Rollen zu spielen und andere zu täuschen. Er simuliert Krankheiten, um sich unangenehmen Situationen zu entziehen, und entdeckt dabei seine Freude daran, Identitäten anzunehmen und Erwartungen gezielt zu manipulieren. Gleichzeitig besitzt er eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe und versteht es, die Wünsche und Schwächen seiner Mitmenschen auszunutzen.
Nach seiner Schulzeit zieht Felix nach Paris, wo er zunächst als Liftboy in einem luxuriösen Hotel arbeitet. Dort lernt er die Welt der Reichen, Adeligen und Reisenden kennen und perfektioniert seine Kunst der Verstellung. Durch sein charmantes Auftreten gewinnt er schnell das Vertrauen vieler Gäste und knüpft zahlreiche Beziehungen. Besonders wichtig wird die Begegnung mit dem jungen Marquis de Venosta, einem adeligen Lebemann, der keine Lust auf die ihm zugedachte diplomatische Karriere hat. Zwischen beiden entsteht ein ungewöhnliches Bündnis: Felix soll die Identität des Marquis übernehmen und an seiner Stelle auf Reisen gehen.
Felix nimmt diese Rolle begeistert an und schlüpft vollkommen in die Identität des Adligen hinein. Mit erstaunlicher Sicherheit bewegt er sich in der höheren Gesellschaft und erlebt eine Welt voller Luxus, Verführung und gesellschaftlicher Maskenspiele. Dabei verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Wahrheit und Täuschung. Felix empfindet seine Betrügereien nicht als moralisches Problem, sondern fast als eine Form von Kunst. Für ihn besteht das Leben aus Rollen, die Menschen bewusst oder unbewusst spielen.
Thomas Mann verbindet in dem Roman Humor, Gesellschaftskritik und psychologische Beobachtung. Felix Krull erscheint trotz seiner Täuschungen sympathisch, weil er mit Charme, Bildung und Leichtigkeit auftritt und die Oberflächlichkeit der Gesellschaft entlarvt. Der Roman zeigt eine Welt, in der Herkunft, Status und Identität oft nur auf äußeren Inszenierungen beruhen. Gleichzeitig thematisiert Mann die Verführbarkeit der Menschen und die Frage, ob Persönlichkeit vielleicht selbst nur eine kunstvoll gespielte Rolle ist. - Tadellos erhalten. - Potempa D 12 3.2. - Wilpert/Gühring 2/130.
