



Fontane, Theodor
Effi Briest. Roman. Mit Steinzeichnungen von Max Liebermann.
Berlin, Officina Serpentis 1927.
27,5 x 20 cm. 314 Seiten. Mit 21 Orig.-Lithographien von Max Liebermann, davon die erste ganzseitig und signiert. Orig.-Pergamentband mit reicher Rückenvergoldung nach einem Entwurf von Marcus Behmer. (Gebunden von Hübel & Denck). - Als Jahresgabe der Maximilian-Gesellschaft in 325 Exemplaren erschienen. Fontanes größter Roman liegt hier in einem sehr schönen Exemplar vor. - Effi Briest wird als siebzehnjähriges Mädchen mit dem deutlich älteren Baron Geert von Innstetten verheiratet, einem pflichtbewussten, aber emotional distanzierten Beamten. In der provinziellen Enge ihres neuen Lebens fühlt sich Effi bald einsam und unverstanden. Aus dieser inneren Leere heraus beginnt sie eine kurze Liebesbeziehung mit dem lebenslustigen Major Crampas. Jahre später entdeckt Innstetten zufällig die alten Briefe, die den Ehebruch belegen. Obwohl die Affäre längst vergangen ist, sieht er sich aus Gründen der gesellschaftlichen Ehre gezwungen, Crampas zum Duell zu fordern und Effi zu verstoßen. Effi wird gesellschaftlich geächtet, von ihrer Tochter getrennt und lebt fortan isoliert und gesundheitlich angeschlagen. Erst kurz vor ihrem Tod erfährt sie eine vorsichtige Versöhnung mit ihren Eltern. Die Kernaussage von Effi Briest liegt in der Kritik an den starren Moral- und Ehrvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Fontane zeigt, wie gesellschaftliche Konventionen über Menschlichkeit, Mitgefühl und individuelles Glück gestellt werden und dadurch persönliches Leid erzeugen. Effi ist weniger schuldig als Opfer eines Systems, das keinen Raum für persönliche Entwicklung, Vergebung oder emotionale Bedürfnisse lässt. Der Roman thematisiert zugleich die Stellung der Frau, den Konflikt zwischen Pflicht und Gefühl sowie die zerstörerische Macht sozialer Normen - und gehört gerade deshalb zu den eindringlichsten Gesellschaftsromanen der deutschen Literatur. - Der empfindliche Pergamentband makellos erhalten. - Rodenberg 518. - Schauer Bd. II,43. - Schobeß 138.
